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Vor knapp zwei Jahren bin ich mit dem Fahrrad von Cuxhaven aus gestartet, um die Welt zu umradeln. Ein Jahr vorher bereitete ich mich
intensiv auf die Reise vor, ließ mich impfen, kaufte die Ausrüstung und machte mich mit der Etikette der einzelnen Länder bekannt. Schließlich wollte ich es vermeiden in die sogenannten Fettnäpfchen
zu treten. Im Juli 2000 war es dann soweit: an einen etwas vernieselten Morgen ging es los, voller Erwartung trat ich kräftig in die Pedale. Der Brennerpass war wenig spektakulär, von Italien ging es
dann mit der Fähre nach Korsika, wo ich wegen starker Stürme sogar bergab treten musste! Anschliessend nahm ich dann wieder die Fähre zurück nach Italien, wo ich nach ein paar hunderten von
geradelten Kilometern die Fähre nach Griechenland bestieg. Von Griechenland aus ging es dann weiter in die Türkei, wo ich u.a. bei –8° Grad auf einem Friedhof übernachtete, naja wenigstens war
es schön ruhig... .
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Nach der Türkei radelte ich durch den Iran, besichtigte schöne Moscheen und lernte dieses unglaublich gastfreundliche Land kennen. Durch Pakistan habe ich dann aus Sicherheitsgründen
den Bus genommen, im nachhinein hat es mich ein bisschen geärgert, da auch hier die Leute die ich getroffen habe unglaublich nett waren, auch wenn hier fast jeder eine AK-47 über der Schulter
trug. In der westlichen Welt trägt halt jeder sein Handy, bzw. Mobile mit sich rum. Andere Länder, andere Sitten halt.
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In Indien radelte ich dann einen Bogen um Rajasthan, besichtigte das Taj Mahal, das Wüstenfort
in Jaisalmeer, den goldenen Tempel in Amritsar und noch viele andere schöne Sehenswürdigkeiten. Trotz der interessanten kulturellen Mischung und der vielen Eindrücke war
ich dann doch froh, als ich Indien verliess und in das ruhigere Nepal hochradelte. Die Bergpanoramen waren phantastisch und ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich
darüber nachdenke. Leider musste ich aus Grenz-und Wettertechnischen Gründen nach Bangkok fliegen. Was für eine Umstellung: eben noch in der Kühle der Himalayias und nun schon in der
brütend feuchtwarmen Luft der 12 Millionenmetropole Bangkok. Nachdem ich mich an das Klima gewöhnt hatte, radelte ich in das wunderschöne Laos, schlief in Tempeln und liess mich auf den
farbenprächtigen Märkten einfach vom Geschehen mitreissen. Von Laos radelte ich dann über die Grenze nach Vietnam, wo ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde,
unfreundliche Menschen, mörderischer Verkehr und immer schlechtgelaunte Polizisten machten mir hier das Leben schwer. Allerdings entschädigte die Landschaft etwas, denn die war wirklich
grandios, ich kam mir vor, als würde ich durch einen Südostasien Bildband radeln.
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In Kambodscha stellten die Strassen alles bisher dagewesene in den
Schatten, denn es gab praktisch keine. Jede Menge Staub und Schlaglöcher liessen mich alle hundert Meter stossgebete in den Himmel schicken und um mein Material bangen. Als ich dann Kambodscha
verliess hatte alles gehalten und ich war wieder mal um ein paar mehr wunderschöner Erlebnissen bereichert. Wieder in Thailand angekommen
machte ich ersteinmal Urlaub vom Reisen und verbrachte meine Zeit auf einer Trauminsel im Golf von Thailand. Anschliessend ging es dann nach
Malaysia, wo es mir so gut gefiel, das ich die Landspitze ganz umrundete, und nicht wie ursprünglich geplant, einfach durchfuhr.
Von Penang nahm ich dann die Fähre nach Indonesien, genauer gesagt, nach Sumatra. Nachdem ich dann riesengrosse Vulkankrater und die Grösste Blume der Welt besichtigt hatte, nahm ich aus
Zeitgründen einen Bus nach Jakarta. Dort bekam ich dann das mit, womit auch sonst keiner gerechnet hatte: den 11 September. Diese Datum ging in
die Geschichte ein und machte meiner Weiterreise per Rad ein Jähes Ende. Ein Anruf bei der Deutschen Botschaft bestätigte dann mei n Verdacht: ein
Weiterreisen per Rad war nun sehr gefährlich geworden. Man hat halt ein weisses Gesicht und ist kein Muslim, somit also praktisch ein Verbündeter
der Vereinigten Staaten. 24 stunden später befand ich mich dann schon auf Bali und versuchte mein Surferglück in den grossen Wellen am Touristrand.
Leider hatte ich gegen die Cracks, bzw. möchtegern-schönling-Surfer keine Schnitte und legte mich mit präziser Beständigkeit fast dauernd aufs
Fressbrett. Völlig frustriert nahm ich dann mein Surfboard und legte es dann neben mich in den Sand, soviel nun zu den Statussymbolen.
Braungebrannt und schön entspannt flog ich dann nach Australien, um den
grossen roten Kontinent von Nord nach Süd zu durchqueren. Die Sonne brannte mittags mit 65° Grad vom Himmel und meine Wasserreserven von 16 Litern reichten für eineinviertel Tage. Die
Weite des Kontinentes und die Kontraste der Landschaft zusammen mit der Freundlichkeit der Australier zog mich völlig in ihren Bann. Das Radfahren in der Wüste war Balsam für die Seele.
Teiweise kamen mir 3 Autos an einem Tag entgegen, es war so Still, das ich mich selber hörte. Durch das Radfahren war ich eins geworden mit der Natur, denn ich bekam alles mit, die lästigen
Fliegen, den heissen Wind und die noch heissere Sonne. An der Küste befuhr ich dann eine der Traumstrassen der Welt: die Great Ocean Road, noch heute wird die Form der Küstenlinie durch
die Wettereinflüsse ständig verändert.
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Als ich dann die Harbor Bridge und das weltberühmte Opera House von Sydney aus der Luft sah,
befand ich mich schon auf dem Weg nach Neuseeland. Von Auckland aus fuhr ich dann zum nördlichsten Punkt der Nordinsel zum Cape Reinga, als ich von dem Trip wieder nach Auckland
zurückkehrte bekam ich die Nachricht vom Tode meines Vaters. Nach ein paar Tagen des überlegens, stellte ich mein Fahrrad bei Bekannten unter und unterbrach meine Weltreise, um
meinem Vater sein letztes Geleit zu geben und um meine Mutter wiederzusehen.
Noch in diesem Jahr werde ich wieder nach Auckland zurückfliegen, um den Traum zu leben, von
dem Andere nur Träumen: die Welt mit ihre grandiosen Landschaften und interessanten Bewohner einfach pur zu erleben und das Abenteuer einfach alltäglich werden zu lassen.
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